Willkommen

In 1962 bzw. 1970 legte Horst-Eberhard Richter, der Begründer der psychoanalytischen Familientherapie, mit den Werken „Eltern, Kind und Neurose“ sowie „Patient Familie“ erstmalig ein konsistentes familiendynamisches und -therapeutisches Konzept vor.
Mit dem Tagungstitel „Patient Familie 2012 – Zwischen Geborgenheitswunsch und Optimierungsdruck“ wollen wir daran erinnern, aber auch in Vorträgen, Foren und Workshops aktuellen Fragestellungen in der beraterischen und therapeutischen Arbeit mit Paaren und Familien nachgehen. Horst-Eberhard Richter ist während der Tagungsvorbereitungen am 19.12. 2011 verstorben.

Gemäß der „Gießener Tradition“ wollen wir heute bestehende gesellschaftliche Konflikte beleuchten, die sich auf Familien belastend auswirken.
Gerade hat eine repräsentative Umfrage gezeigt, dass 84% der Befragten davon ausgehen, dass Solidarität und damit Chancen auf Geborgenheit in der Gesellschaft zukünftig abnehmen werden. Gründe hierfür sind Gerechtigkeitsprobleme innerhalb der Gesellschaft und zwischen den Generationen. Die sich immer weiter öffnende Schere zwischen armen und reichen Bevölkerungsschichten sowie Zukunftsunsicherheiten durch Schuldenberge und Umweltsünden stellen für die heutige Familie Belastungen dar, vor allem auch für die nächste Generation – die Jugendlichen.
Im Bildungsbereich wird Solidarität durch Konkurrenzkampf ersetzt. Wenn es um Zukunftschancen in einer globalisierten Welt geht, kommt es bei verunsicherten Eltern oft zu einem hohen Leistungsdruck auf die Kinder, die diese nicht selten mit psychosomatischen und emotionalen Störungen „beantworten“.

Deswegen haben wir uns vorgenommen, im Rahmen der Tagung auch mit Jugendlichen in einen Dialog über ihre Vorstellungen von der Zukunft zu treten.